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Die Erklärung zur Barrierefreiheit nach BFSG schreiben

Wer die Erklärung tatsächlich schreiben muss · 8 Min. · aktualisiert

Die Erklärung zur Barrierefreiheit ist das einzige Dokument, das eine Aufsichtsbehörde mit Sicherheit liest. Sie ist auch das einzige, das die meisten Unternehmen von einer Vorlage abschreiben, ohne den mittleren Teil auszufüllen — und genau der mittlere Teil ist der, auf den es ankommt.

Dieser Text geht die Abschnitte durch, sagt bei jedem, was hineingehört, und nennt die Formulierungen, die glaubwürdig sind statt bloß beruhigend.

Wo sie stehen muss

Die Erklärung muss von jeder Seite aus in einem Klick erreichbar sein — in der Praxis heißt das: ein Link im Fußbereich, auf jeder Seite. Sie muss selbst barrierefrei sein, was ein PDF in aller Regel disqualifiziert, und sie muss auch dann auffindbar sein, wenn jemand über eine Unterseite in Ihre Website einsteigt.

Der Stand der Vereinbarkeit

Hier gibt es drei zulässige Aussagen: vollständig konform, teilweise konform, nicht konform. Praktisch jede Website ist teilweise konform, und das offen zu schreiben ist kein Eingeständnis, sondern die einzige Aussage, die einer Prüfung standhält.

„Vollständig konform“ zu behaupten, während irgendwo ein Kontrastfehler steht, ist der einzige Weg, aus einem behebbaren Mangel ein Glaubwürdigkeitsproblem zu machen. Wir schreiben in unseren Entwürfen deshalb nie etwas anderes als „teilweise konform“, solange wir es nicht belegen können.

  • nicht so„Diese Website ist barrierefrei.“ — eine Behauptung ohne Maßstab.
  • nicht so„Wir sind bemüht, …“ — sagt nichts über den Zustand.
  • nicht soEin Konformitätsstand ohne Datum.
  • nicht soEine Erklärung, die keine einzige Barriere nennt.

Nicht barrierefreie Inhalte — der Abschnitt, den alle auslassen

Hier steht, was noch nicht erfüllt ist, warum, und bis wann Sie es beheben wollen. Eine leere Liste ist genau das, wonach eine Behörde zuerst fragt: Sie liest sich entweder als „nicht geprüft“ oder als „nicht ehrlich“.

Nennen Sie die Dinge konkret und in ganzen Sätzen: „Vor 2024 veröffentlichte PDF-Dokumente sind nicht getaggt“ ist brauchbar, „einige Inhalte können Einschränkungen aufweisen“ ist es nicht. Wenn Sie ein Behebungsdatum nennen, halten Sie es — oder nennen Sie keins.

  • tunBeschreiben Sie die Barriere so, dass eine betroffene Person sie wiedererkennt.
  • tunSagen Sie, welches Erfolgskriterium betroffen ist, wenn Sie es wissen.
  • tunNennen Sie eine Alternative, wo es eine gibt — eine Telefonnummer, ein anderes Format.
  • tunSetzen Sie ein Datum, oder schreiben Sie, dass die Behebung geplant, aber noch nicht terminiert ist.

Erstellung, Feedback, Durchsetzung

Der Abschnitt zur Erstellung sagt, wie Sie geprüft haben — Selbstbewertung oder externe Prüfung —, mit welchen Werkzeugen, und wann. Ein Datum, das zwei Jahre alt ist, entwertet den Rest.

Der Feedback-Abschnitt braucht einen echten Kontaktweg und eine Reaktionszeit, die Sie einhalten können. Der Durchsetzungsabschnitt nennt die zuständige Marktüberwachungsstelle — für das BFSG die gemeinsame Marktüberwachungsstelle der Länder (MLBF) in Magdeburg — und, wo einschlägig, die Schlichtungsstelle nach dem Behindertengleichstellungsgesetz.

Sie aktuell halten

Eine Erklärung ist eine Momentaufnahme, und Websites ändern sich wöchentlich. Prüfen Sie sie mindestens jährlich und immer dann, wenn sich am Konformitätsbild etwas ändert — nach einem Relaunch, nach einer neuen Zahlungsstrecke, nach dem Einbau eines Drittanbieter-Widgets.

Das ist der Punkt, an dem laufendes Monitoring den Unterschied macht: Die Liste der bekannten Barrieren pflegt sich dann von selbst, statt einmal im Jahr rekonstruiert zu werden.

Fragen

Dürfen wir die Erklärung als PDF veröffentlichen?
Besser nicht. Die Erklärung muss selbst barrierefrei und in einem Klick erreichbar sein; ein PDF ist beides selten. Veröffentlichen Sie sie als HTML-Seite und bieten Sie das PDF höchstens zusätzlich an.
Was, wenn wir gar nicht wissen, wo unsere Barrieren sind?
Dann ist das der erste Schritt, nicht die Erklärung. Eine automatische Prüfung deckt rund ein Drittel der Kriterien ab und liefert die Liste innerhalb von Minuten; den Rest ergänzen Sie mit einem Tastaturdurchgang durch Ihre Kernprozesse.
Muss die Erklärung in Leichter Sprache vorliegen?
Das BFSG verlangt für die Erklärung selbst keine Leichte Sprache. Verständlich formuliert muss sie sein — und eine Fassung in Leichter Sprache zusätzlich anzubieten ist eine der günstigsten Verbesserungen, die es gibt.
Wie oft müssen wir sie aktualisieren?
Mindestens jährlich und immer dann, wenn sich der Konformitätsstand ändert. Das Datum der letzten Überprüfung gehört sichtbar in die Erklärung.

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